2008_1

2008_1_Tierkreiszeichen

Eine Übersicht der Sternzeichen, die die Sonne im Jahreslauf durchwandert, mit ausführlicher astronomischer Einleitung.

 

1.) Astronomische Betrachtungen, ergänzend zu „2001_5_Quo vadis, terra?“ und „2003_4_Große Zyklen“

Wie bei allen Angaben zu Koordinaten und Bewegungen im Kosmos, muss zunächst immer der Bezugspunkt definiert werden, da alle Beschreibungen wie Oben, Links, Vorne usw. im Weltall bedeutungslos sind.

a) Standpunkt Sonne

Die Sonne ist das gravitative Zentrum und ihr Äquator zugleich die Ebene des Planetensystems (Hauptebene). Sie dreht sich entgegen dem Uhrzeigersinn (bei Blickrichtung auf den Sonnennordpol) und ist stets in einem Brennpunkt der Bahnellipsen der Planeten. Eine Drehrichtung mit gleichem Drehsinn wie bei der Sonne wird bei Planeten als rechtläufig bezeichnet.

Der zweite Brennpunkt ist nicht fixiert und dreht sich ebenfalls um die Sonne. Die große Achse führt also eine rechtläufige langsame Drehung aus. Planetenbahnen sind rosettenförmige Ellipsen, besonders deutlich bei Merkur mit 43“ je Jahrhundert. Die Perihelverschiebung in Bogensekunden wird üblicherweise pro Erdjahrhundert angegeben.

Die Änderung pro Umlauf ist für Merkur = 0,1038, für Venus = 0,058 und für die Erde = 0,038. Das ergibt bei 415, 149 und 100 Umläufen pro Erdjahrhundert eine Verschiebung für Merkur = 43,11“, für die Venus = 8,4“ und für die Erde = 5,0“.

Ebene Winkel können im Gradmaß angegeben werden, 1 Grad ist 1/360. Kleinere Einheiten sind Bogenminuten (´) und Bogensekunden (), dabei ist 1° = 60´ = 3600“

Die Planetenbahnen um die Sonne befinden sich nicht in der Hauptebene, sie sind  mehr oder weniger geneigt, so dass unserer Planetensystem von der Seite so ausschaut:

Für einen Beobachter auf der Sonne scheint ein Planet bei einer Sonnenumkreisung mal über und mal unter dem Äquator die Sonne zu umrunden. Durchschnittlich befindet sich ein Planet die halbe Zeit im Jahreslauf über der Hauptebene.

Oft wird zur Beschreibung die Ebene des Sonne-Erde-System (Ekliptik) als Grundlage benutzt, das ist die Ebene, welche durch den Mittelpunkt von Sonne und Erde (genau genommen durch das Schwerkraftzentrum „S“  des Erde-Mond-Systems) verläuft. Die Ekliptik ist also die Bahnebene der Erde um die Sonne.

Diese Ebene wird dann Null Grad Bahnneigung und im Vergleich dazu haben die anderen Planeten diese Neigung:

Merkur=7,0° Venus=3,4° Mars=1,8° Jupiter=1,3° Saturn=2,5° Uranus=0,8° Neptun=1,8° (Pluto=17,1°).

Die Neigung der Nord-Süd-Achse der Sonne zu der Ekliptik beträgt rd. 24“.

Auch bei der Bezugslinie Ekliptik liegt der Erdäquator nicht auf einer Linie mit dem Sonnenäquator, sondern ist geneigt, wie im oberen Bild dargestellt. Die Rotationsachse der Erde (=Erdachse)  bildet mit der Ekliptik einen Winkel von rund 67 Grad.

Ein Beobachter auf der Sonne sieht im Tageslauf der Erde, also im 24-Stunden-Rhythmus wechselnd, einen Großteil der nördlichen und einen Großteil der südlichen Erdhalbkugel.

Lineare Exzentrizität ist die Entfernung Brennpunkt – Mittelpunkt. Die nummerische Exzentrizität ist die lineare Exzentrizität dividiert durch die halbe große Achse (sie ist beim Kreis = 0, bei der Ellipse < 1, bei der Hyperbel > 2 und bei der Parabel = 1).

Über eine Periode von ca. 97.000 Jahren wird durch die gravitativen Einflüsse im Sonnensystem aus der fast kreisförmigen Erdbahn eine elliptische Erdbahn. Die Exzentrizität der Erde ist mit rd. 0,016 recht gering.

 

b) Standpunkt Erde

Die Drehung der Erde um ihre eigene Achse (entgegen dem Uhrzeigersinn bei Blickrichtung auf den Erdnordpol) ist der Wechsel von Tag und Nacht. Die Erde umkreist rechtläufig auf der Ebene der Ekliptik die Sonne mit einer Neigung von rd. 24 Grad zwischen Äquator und Ekliptik und einer mittleren Geschwindigkeit von knapp 30 km/s. Der Winkel der Ekliptikschiefe schwankt zwischen rd. 22 und 24 Grad im Zeitraum von fast 41.000 Jahren. Je stärker die Ekliptikschiefe, umso ausgeprägter die Jahreszeiten. Vor rund 3.000 Jahren war sie 24 Grad, heute rund 23,26 Grad und in 4.000 Jahren wird sie rd. 23 Grad sein. Die Veränderung ist etwas über 3 Grad pro 500 Jahre.

Durch die Neigung der Nord-Süd-Achse der Erde erhält in den Monaten September bis März die Nordhalbkugel und in den Monaten März bis September die Südhalbkugel mehr Sonneneinstrahlung. Diese Veränderung der Dauer und des Einfallwinkels der Sonnenstrahlung ist (neben der Änderung der Tageslänge) die Ursache für die Jahreszeiten.

Mit der Erdachse als Nord-Süd-Achse verbunden ist der Himmelsnordpol und der Himmelsäquator.

Zum Frühlingsbeginn (etwa 21. März) überschreitet die Sonne bei ihrer scheinbaren jährlichen Bewegung den Himmelsäquator von Süd nach Nord. Am 21.3. herrscht auf der ganzen Erde Tagundnachtgleiche. In den folgenden drei Monaten werden auf der Nordhalbkugel die Tage länger und etwa am 21. Juni befindet sich die Erde im Aphel (sonnenfernster Punkt der Umlaufbahn). An diesem Tag geht die Sonne mittags durch das Zenit (=genau senkrecht über dem Beobachter) der Orte auf dem Wendekreis des Krebses. Beobachter auf der Nordhalbkugel haben dann den längsten Tag und für Orte über dem nördlichen Polarkreis geht die Sonne nicht mehr unter. Die Sonne beschreibt für die Bewohner der Nordhalbkugel einen hohen Bogen. Die intensive Sonneneinstrahlung wird durch die große Entfernung gemildert. Vor etwa 13.000 Jahren war der längste Tag im Perihel (sonnennächster Punkt der Umlaufbahn) und ist ein Grund für das Schmelzen der Eiszeitgletscher gewesen.

Die gedachte Linie Aphel-Sonne-Perihel wird Apsidenlinie genannt.

Am 23. September überschreitet die Sonne auf ihrer scheinbaren jährlichen Bahn den Himmelsäquator von Nord nach Süd und überall auf der Erde ist wieder Tagundnachtgleiche. In den folgenden drei Monaten werden auf der Nordhalbkugel die Tage immer kürzer und etwa am 21. Dezember befindet sich die Erde in Perihel. An diesem Tag geht die Sonne mittags durch das Zenit der Orte auf dem Wendekreis des Steinbocks. Beobachter auf der Nordhalbkugel haben dann den kürzesten Tag und für Orte über dem nördlichen Polarkreis herrscht Polarnacht. In den folgenden drei Monaten nähert sich die Sonne wieder dem Frühlingspunkt und durchläuft für Bewohner der Nordhalbkugel eine niedrige Bahn.

Bewohner am Äquator haben das ganze Jahr Tagundnachtgleiche und keine Jahreszeiten und die Bäume haben keine Jahresringe.

Die Tagundnachtgleichen heißen Äquinoktialpunkte. Sie sind die Schnittpunkte von Himmelsäquator und Ekliptikebene.

Der Frühlingspunkt wird auch Widderpunkt genannt und der Herbstpunkt auch Waagepunkt. Zur Zeit des Frühlingspunktes tritt von der Erde aus gesehen die Sonne in das Sternbild des Widder ein. Das war aber vor über 200 Jahren der Fall. Heute ist dieser Punkt so verschoben, dass sich der Frühlingspunkt zwischen Fische und Wassermann befindet.

Besonders Mond und Sonne bewirken auf die Erdkugel ein Drehmoment, wodurch die Erdachse eine Kreiselbewegung beschreibt. Diese Präzession genannte Bewegung umfasst einen Zeitraum von rd. 25.800 Jahren, das so genannte Platonische Jahr, in der die Erdachse einen vollen Kreis beschreibt. Folglich laufen die Äquinoktialpunkte in rd. 25.800 Jahren einmal rund um die Ekliptik im rückläufigen Sinn von West nach Ost, also entgegengesetzt zu der scheinbaren Sonnenbewegung.

Die Präzession ist ein typischer Kreiseleffekt. Gegenwärtig zeigt die Erdachse in Richtung Polarstern. Im Jahr 14.000 wird sie auf den hellsten nördlichen Stern, die Wega in der Leier, zeigen.

Die Nutation ist ein typisches Phänomen in allen Mehrkörpersystemen und entsteht auf der Erde durch die Gravitationswirkung des Mondes. Zu der Kreisbahn der Präzession vollführt die Erdachse eine weitere Kreisbewegung, die die Präzession etwa 9 Jahre stärker und etwa 9 Jahre schwächer macht. Die Nutationsperiode liegt also bei rd. 18 Jahren und ist gleich der Präzessionsbewegung des Mondes.

Aus der Exzentrizität, der Erdachsenneigung (Winkel der Ekliptikschiefe, der Präzession und Nutation, verbunden mit der Sonnenaktivität und der Energie der Sonneneinstrahlung entwickelte der serbische Wissenschaftler Milutin Milankovic seine Theorie der Vereisungen, bekannt als Milankovic-Zyklen.

Grafik: Jörg Wiepzeck, entwickelt aus der Grafik von Robert A. Rohde, Wikipedia

2) Weltzeit

Das Platonische Jahr dividiert durch die 12 Tierkreiszeichen ergibt das so genannten Weltzeitalter (rd. 2150 Jahre). Bedingt durch die Präzession der Erdachse verschieben sich die Sternbilder relativ zum Frühlingspunkt (Äquinoktium), der heute im Sternbild Fische liegt. Daraus folgt, dass die alte Bezeichnung des Frühlingspunktes – Widderpunkt – vor rd. 2.900 Jahren evtl. von babylonischen Astronomen oder schon von den Akkadern (ca. 2.300 v.Chr.) eingeführt wurde. Vor rd. 2.000 Jahren begann das Fischezeitalter und um das Jahr 2.200 beginnt das Wassermannzeitalter, je nach Grenzeinteilung der Sektoren der Sternbilder.

 

3) Tierkreiszeichen

Auch wenn sich die Erde in einem Jahr um die Sonne dreht, scheint es den Menschen noch heute so, als würde die Sonne um die Erde kreisen. Und auf ihrem Weg durchwandert sie scheinbar einen rund 20 Grad breiten Streifen auf der Himmelskugel. Die Sternbilder in diesem Streifen müssen nach astronomischen und astrologischen Gesichtspunkten unterschieden werden.

 

a) Die dreizehn Ekliptiksternbilder der Astronomie

Die Größe der Sternbilder ist unterschiedlich, ihre Abmessung und Position sind für Astronomen interessant.

Ekliptische Länge des Sternzeichens (gerundet) - Name Deutsch/Latein - Datum des Sonnenwechsels in das Sternbild =

29-54° - Widder/Aries - 18.April

54-90° - Stier/Taurus - 14.Mai

90-118° - Zwillinge/Gemini - 21.Juni

118-138° - Krebs/Cancer – 20.Juli

138-173° - Löwe/Leo – 11.August

173-218° - Jungfrau/Virgo – 17.September

218-241° - Waage/ Libra – 31.Oktober

241-247° - Skorpion/Scorpius – 23.November

247-266° - Schlangenträger/Ophiuchus – 30.November

266-300° - Schütze/Sagittarius – 18.Dezember

300-327° - Steinbock/Capricornus – 20.Januar

327-352° - Wassermann/Aquarius – 16.Februar

352-29° - Fische/Pisces – 12.März

 

b) Die zwölf Tierkreissternbilder der Astrologie (vom 1. bis 12.Haus)

Festgelegte ekliptische Länge (360/30Grad=12 Sternbilder) - Festgelegtes Datum des Sonnenwechsels in das Sternbild - Name Latein/Deutsch - Element - Regent - Beispiele positiver Charaktereigenschaften =

0-30° - 21.03. – Aries/Widder - Feuer - Mars - Dynamik und Impulsivität

30-60° - 21.04. – Taurus/Stier - Erde - Venus - Beständigkeit und  Stabilität

60-90° - 21.05. – Gemini/Zwillinge - Luft - Merkur - Kommunikation und Flexibilität

90-120° - 22.06. – Cancer/Krebs - Wasser - Mond - Sensibilität und Emotionalität

120-150° - 23.07. – Leo/Löwe - Feuer - Sonne - Selbstbewußtsein und Überheblichkeit

150-180° - 24.08. – Virgo/Jungfrau - Erde - Merkur - Kritisch und Analytisch

180-210° - 24.09. – Libra/Waage - Luft - Venus - Harmonie und Diplomatie

210-240° - 24.10. – Scorpio/Skorpion - Wasser - Pluto - Dominanz und Zähigkeit

240-270° - 23.11. – Sagittarius/Schütze - Feuer - Jupiter - Optimismus und Strebsamkeit

270-300° - 22.12. – Capricornus/Steinbock -Erde - Saturn - Autorität und Distanziertheit

300-330° - 21.01. – Aquarius/Wassermann - Luft - Uranus - Unabhängigkeit und Toleranz

330-360° - 20.02. – Pisces/Fische - Wasser - Neptun - Sensitivität und Spiritualität

Der Astrologie sind die heutige Größe und Position der Sternbilder egal.