2008_2

2008_2_Teleskope

Eine Übersicht der verschiedenen Teleskope, Montierungen und Tipps für die Beobachtung.

Vor dem Teleskopkauf ist es sinnvoll den Himmel mit Sternkarten und Fernglas zu erkunden, Sternwarten zu besuchen und zu Teleskoptreffen zu gehen. Bei einem Fernglas mit unter sieben- bis zehnfacher Vergrößerung ist ein Stativ nicht unbedingt nötig. Es wird nahe der Objektivfassung gehalten und die Okularhülsen liegen nahe unter den Augen auf. So ist das Bild ruhiger, da das unvermeidliche Händezittern stark gedämpft wird. Bei so schwach vergrößernden Feldstechern ist das Gesichtsfeld sehr groß, so dass nicht genau gesucht werden muss.

Für Galaxien ist ein Fernglas ideal. Die Andromeda-Galaxie M31 hat ca. den sechsfachen Vollmonddurchmesser und das ist zu groß für die meisten Teleskope, im Fernglas erscheint sie als ausgedehnter länglicher Nebel. Die Dreiecksgalaxie M33 ist noch größer und bietet eine Sicht von oben. Absolut erforderlich für Galaxienbeobachtung ist eine dunkle Nacht und ein Standort ohne Lichtverschmutzung.,

Für Kometen ist ein Fernglas optimal, denn das Schimmern der meisten Schweifsterne ist deutlich als sich im Laufe einiger Nächte bewegender Nebelfleck zu erkennen. Viele Kometen wurden von Amateuren mit einem Großfernglas entdeckt, die regelmäßig den Himmel absuchten.

Die Planeten zeigen ihre Details erst im Teleskop. Die Sonne darf nur mit geeigneten Schutzvorrichtungen betrachtet werden um nicht zu erblinden. Lichtschwache und Deep-Sky-Objekte erschließen sich nur im Teleskop.

Auswahl: Die Frontlinsen bei hellem Licht betrachten und die wenig reflektierenden also dunkel erscheinenden auswählen. Aufschriften der Linsen betreffend sind heutzutage nahezu wertlos. Dann die ausgewählten Ferngläser auf Armlänge gegen eine helle Lichtquelle und diejenigen auswählen, deren Form der Austrittspupille genau kreisrund ist. Aufschriften die Prismen loben ignorieren (gute Prismen sind aus BAK-4-Glas und schlechte aus BK-7-Glas. Beide Hälften des Feldstechers müssen exakt parallel sein. Brillenträger mit Hornhautverkrümmung müssen darauf achten, dass sie das gesamte Gesichtsfeld überblicken können.

Test: Fernglas standfest auf ein entferntes Gebäude richten, so dass eine Kante ganz am Rand des Gesichtsfeldes liegt. Es muss sich in beiden Hälften des Feldstechers an der gleichen Position befinden. Den Test wiederholen mit einer Gebäudekante am oberen Bildrand.

Um ein Teleskop optimal ausnutzen zu können ist eine stabile Montierung notwendig und diese sollte mindestens so viel kosten wie das Teleskop. Es gibt zwei Arten:

I) Azimutale Montierungen (Dobson=Rockerbox und Gabel) sind schnell und unkompliziert aufzubauen. Sie funktionieren wie ein Videostativ mit vier Bewegungsrichtungen. Die Rockerbox benötigt nur eine ebene Fläche. Für kurze Brennweiten kann diese Bewegung genügen.

II) Äquatoriale Montierungen (Parallaktische oder Deutsche) haben ebenfalls zwei Achsen, aber die Polachse muss auf den Himmelspol (d.h. parallel zur Erdachse) exakt ausgerichtet werden. Dadurch wird die Erddrehung leicht ausgeglichen und die Nachführung ist sehr genau. Verbunden mit einer motorisierten computergesteuerten Nachführung ist diese Montierung optimal für Astrofotografie mit langen Belichtungszeiten.

Für den Teleskopkauf sollten einige Grundbegriffe bekannt sein.

a) Apertur / Öffnung (das ist der Durchmesser der Objektivlinse oder des Hauptspiegels.

Je größer die Öffnung, je höher die Auflösung (gut für enge Doppelsterne oder feine Details auf Planeten, z.B. 3 Zoll für Merkur/Mars bis max. Jupiter/Saturn und 12 Zoll für Uranus und Neptun).

Je größer die Öffnung, umso teurer und schwerer ist das Teleskop und die Montierung. Um ein 16-Zoll-Dobson (rund 400mm) mit Rockerbox und kompletten Tubus zu transportieren sind zwei große Kombis nötig.

Je größer die Öffnung, je höher die Vergrößerung. Die max. sinnvolle(es gibt physikalische Grenzen und die Luftunruhe wird auch vergrößert) Vergrößerung liegt beim doppelten Objektivdurchmesser in mm. Bei 100mm Öffnung also 200-fache Vergrößerung, sonst wird das Bild schlechter und dunkler.

Beispiele:

70mm oder 80mm Öffnungen für Weitwinkelbeobachtung mit kurzbrennweitigen Linsenteleskopen.

80mm oder 100mm Öffnung für Planetenbeobachtung mit langbrennweitigen Linsenteleskopen.

Viele Deep-Sky-Objekte benötigen über 8 Zoll (rund 200mm) Öffnungen.

b) Brennweite (f) gibt an, in welcher Entfernung von der Objektivlinse oder dem Hauptspiegel das Bild entsteht, welches im Okular zu sehen ist.

Je länger die Brennweite, je höher die maximale Vergrößerung.

Beispiele:

Langbrennweitige für kompakte Objekte wie Planeten und Doppelsterne.

Kurzbrennweitige für Sternhaufen und Planetare Nebel.

c) Öffnungsverhältnis = Öffnung dividiert durch Brennweite. Also bei 100mm Öffnung und 1000mm Brennweite, ist das Öffnungsverhältnis 1/10, häufig auch f/10 genannt.

Beispiele:

Geräte mit kleinem f (z.B. f/10) liefern bei gleichem Durchmesser oder gleicher Öffnung bessere Bilder als kurzbrennweitige (z.B. f/5). Teleskope mit <f/5 sind sehr anspruchsvoll, u.a. wegen des großen Gesichtsfeldes.

Langbrennweitige mit f/10 oder gar f/15 liefern sehr gute Bilder, sind aber wesentlich sperriger.

Hinweis:

Das Öffnungsverhältnis hat einen wichtigen Einfluss bei der Astrofotografie: die Belichtungszeit ist mit f/5 viel kürzer als mit f/15.

d) Vergrößerung = Brennweite dividiert durch Okular.

Beispiel:

Bei 1000mm Brennweite und 40mm Okular ergibt sich ein 25-fache Vergrößerung, bei einem 5mm Okular eine 200-fache Vergrößerung.

Tipp:

Gut sind 2 Zoll (rund 51mm) oder 1 1/4 Zoll (rund 32mm) Okularauszüge, das Format ist üblich und vielseitig zu ergänzen. Kleinere gibt es heute nur in billigen Kaufhausteleskopen. Für den Anfang reichen drei Okulare (für hohe, mittlere und niedrige Vergrößerung) mit hoher Qualität, denn Okulare machen 50% des optischen Systems aus. Später wird dann weiteres Zubehör (z.B. Filter) folgen.

Hinweis:

Die prachtvollen Farbfotos in den Büchern sind das Ergebnis langer Belichtungszeiten und harter Arbeit in der Dunkelkammer oder ausgefeilter aufwendiger Technologie (z.B. HST).

Hohe Vergrößerungen sind für Kugelsternhaufen oder die Plejaden sinnvoll.

Es gibt drei Teleskoptypen:

1) Refraktor = Linsenteleskop. Sie bestehen aus einem langen Rohr mit einer Linse am vorderen und einem Okular an dessen hinterem Ende. Sie sind teuer, liefern aber meist eine hervorragende Abbildungsqualität.

Achromatische Refraktoren: Ein einfaches Objektiv hat für jede Farbe einen anderen Brennpunkt. Bei Geräten mit einer Linse kann nur ein Farbanteil scharf gesehen werden, wodurch das Bild unscharf wird.

Beispiel:

Diese Teleskope sind ideal für helle Ziele mit hohen Vergrößerungen, z.B. Planeten.

Refraktoren mit kurzer Brennweite und größeren Öffnungsverhältnissen sind gut für niedrige Vergrößerungen, z.B. als lichtstarke Kometensucher.

Apochromatische Refraktoren: Inzwischen gibt es kompakte Refraktoren mit speziellen Linsen, die keine Farbfehler haben. Sie erlauben niedrige Vergrößerungen und große Gesichtsfelder, zeigen aber auch noch winzige Sterne bei hohen Vergrößerungen ohne Farbränder.

2) Reflektoren = Spiegelteleskope. Sie bestehen aus einem Hauptspiegel am unteren Ende des Tubus und einem Umlenk- bzw. Fangspiegel am oberen Ende, der das Licht in den Okularauszug an der Seite lenkt.

Nur mit Spiegeln lassen sich wirklich große Öffnungen realisieren, zumindest auf unserem Planeten.

Reflektoren sind die preiswerten Teleskope, sie bieten mehr Öffnung für das gleiche Geld, weil Spiegel einfacher herzustellen sind.

Reflektoren in 8 Zoll oder größer sind ideal für lichtschwache Deep-Sky-Objekte.

Hinweis:

Ein hochwertiges Spiegelteleskop hat Parabolspiegel und nicht einen einfachen Kugelspiegel (verzerrte Ränder). Gelegentlich müssen Haupt- und Fangspiegel justiert, d.h. sie müssen genau aufeinander ausgerichtet werden. Bei Temperaturwechsel ist eine Akklimatisierung erforderlich.

3) Katadioptische Teleskope = eine Mischung aus Refraktor und Reflektor. Sie haben zusätzlich zum Hauptspiegel eine Linse am vorderen Ende. Bekannt ist dieser Typ vor allem mit dem Schmidt-Cassegrain seit 1970.

Beim Schmidt-Cassegrain und Maksutow-Cassegrain sitzt das Okular am unteren Ende, beim Newton-Cassegrain seitlich am oberen Ende.

Diese Teleskope sind Allrounder, aber teurer als Reflektoren und kontrastärmer als Refraktoren. Bei Temperaturwechsel ist eine lange Akklimatisierung erforderlich.

Die Newtons können durch eine Linse vor oder im Okularauszug die Brennweite verlängern und so Bildfehler verringern. Ihre Baulänge ist etwa halb so lang wie ihre Brennweite. Da hier für gute Bilder drei Elemente perfekt justiert und aufeinander abgestimmt werden müssen, sind diese Teleskope für Astronomie-Profis geeignet.